4. Affekte und psychischer Konflikt




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4. Affekte und psychischer Konflikt

Unter welchen Umständen ist es möglich, Informationen über die drei Instanzen ES/ICH/ÜBER-ICH zu bekommen?

In der psychoanalytischen Situation verpflichtet sich der Analysand auf die Grundregel, d.h. „das ES wird eingeladen zu reden, mit dem Versprechen, dass seine Abkömmlinge beim Aufsteigen ins Bewusstsein nicht den gewohnten Schwierigkeiten begegnen werden.
Allerdings wird den ES-Abkömmlingen nicht versprochen, dass sie bei diesem Eintritt ins ICH irgendein Triebziel erreichen werden.
Der Passagierschein gilt nur für die Umsetzung in Wortvorstellungen, nicht für die Beherrschung des Bewegungsapparats, die eigentliche Absicht des Aufsteigens.“ (Freud, 1936)

Was der Analysand sagt sind nur ES-REGUNGEN (ÜBER-ICH-Ansprüche), modifiziert durch das (automatisch und unbewusst arbeitende) ICH

 Kompromissbildungen

Die Aufgabe des Analytikers ist, diese in seine Anteile zu zerlegen (zu analysieren):

in seinen ES-, ICH- und ÜBER-ICH-Anteil.
(das ist besonders schwierig, wenn sich ES, ICH und ÜBER-ICH zueinander in relativer Eintracht befinden)

Affekte


Definition: Affekte sind komplexe (zusammengesetzte) psychische Phänomene, die


  1. Empfindungen von Lust, Unlust oder beides

  2. Vorstellungen

umfassen.

Empfindungen (Lust/Unlust) und Vorstellungen konstituieren gemeinsam das psychische Phänomen des Affekts.


Diese psychischen Bildungen werden auf einer körperlichen(Verhaltens-)Ebene regelmäßig von vegetativen und motorischen Erscheinungen begleitet (Erröten, Schwitzen, Muskelanspannung etc.).

Affektäußerungen sind auch stark kulturabhängig

Vorstellungsinhalte des Affekts:


  • Objektrepräsentanzen

  • Selbstrepräsentanzen

wobei der Affekt diese beiden ‚Repräsentationen miteinander verbindet.
Dies ist abhängig vom psychischen Entwicklungsstand (undifferenzierte Affektäußerungen wie schwere Angststörungen vs. differenziertes Angstsignal).

Affekte sind also Reaktionen auf die Wahrnehmung eines inneren Vorgangs, welcher wiederum durch ein äußeres Ereignis ausgelöst wird (zB Erschrecken durch Donner)


So wie Affekte von körperlichen Erscheinungen begleitet sind, können sie auch auf körperlichem Weg (Infekt des ZNS) und auf chemischem Weg (Alkohol, Drogen) beeinflusst werden.

Und affektive Symptome psychiatrischer KH sind mit Psychopharmaka beeinflussbar.




Entwicklung des Affektsystems:
Beim Neugeborenen ausschließlich kommunikative Affekte (Kern-Selbst)

  • Interesse

  • Erregung

  • Freude

 mimisch unterscheidbar und für die affektive Regulierung der Beziehung von KM und Baby wichtig.

In den ersten 6 Monaten ausgebildet:



  • Ekel, Abscheu

  • Traurigkeit

  • Verzweiflung, psychischer Schmerz.

In der 2. Hälfte des ersten LJ kommen hinzu:



  • Ärger

  • Verachtung

  • Furcht

  • Scham

Der kindliche Affekt Furcht kann zu einem Zustand führen, welcher bei Erwachsenen mit dem Zustand der manifesten Angst (sich bedroht fühlen) gleichzusetzen ist.



Theorie der Angst aus einem Affektsignal
soll eine Gefahrensituation erkennen helfen

Wesentlich: seine Unlustqualität, die das ICH befähigt, sich gegen andrängende Triebimpulse zur Wehr zu setzen:




  • Angst = Unlust + Vorstellung einer Gefahr



  • Depressiver Affekt = Unlust + Vorstellung einer schon stattgefundenen Katastrophe

Der psychische Konflikt
Definition: innerpsychischer Konflikt = wenn sich im Individuum zwei miteinander unvereinbare innere, psychische Forderungen gegenüberstehen
Entstehung:

 wenn eine angestrebte Triebbefriedigung einen hinreichend starken, unlustvollen Affekt hervorruft. Dieser tritt in Form von Angst auf, oder als depressiver Affekt, und ist mit Vorstellungen von psychischen Katastrophen begleitet:





  • Objektverlust ( bis ca. 1 ½ J.)

  • L
    Typische Gefahrensituationen, wie sie in ihrer Entwicklung auftreten
    iebesverlust
    (Verlust der körperl. Integrität; 2-5 J)

  • Kastration

  • Verlust der stützenden Funktion des ÜBER-ICHs
    (Gewissen) aufgrund von Verlust der inneren
    Sicherheit und des Selbstwertgefühls;
    Gefahr des Schuldgefühls,
    der Missbilligung und Bestrafung durch das ÜBER-ICH;
    tritt nach Bildung des ÜBER-ICHs auf (ab dem 5. LJ)
     SIGNALANGST

(Signalangst, weil das ICH angesichts einer Gefahr eine Phantasievorstellung entwickelt von einer vergangenen erlebten traumatischen Situation.

Und der begleitende Affekt macht das Erlebnis „Signalangst“ aus  sowohl Phantasievorstellung als auch Angstsignal (Unlust) meist unbewusst.

 Mechanismus setzt ein, der die Quelle der Unlust eliminieren soll.

Das ICH kann sich aller psychischer Elemente bedienen, um die Triebansprüche in Schach zu halten, zB Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Bewusstseinsgrad, …

Die aufgezählten Gefahrenmomente (Objektverlust, …) bleiben das gesamte Leben lang aufrecht und bestimmen unbewusst unsere Gefahreneinschätzung.

Menschen mit psychischen Schwierigkeiten (bes. Neurotiker) werden in ihren Versuchen ihr Triebleben zu regulieren und die Realität dabei entsprechend zu berücksichtigen besonders stark durch diese frühkindlichen Gefahren beeinflusst, sodass sie oft aus ihrem aktuellen Leben nicht ausreichend Befriedigung schöpfen können  nicht arbeits- und liebesfähig; Herausfinden der unbewussten Angst
Abwehrmechanismen

Anna Freud

Abwehrmechanismen treten auf allen Entwicklungsstufen der psychischen Organisation auf.

Für jede psychische Organisationsform werden die bekanntesten Abwehrmechanismen definiert und beschrieben:




  • Normalität (1. Ebene)

  • Neurotische Organisation (2. Ebene)

  • Borderline- Organisation (zw. neurotisch und psychotisch)

  • Psychotische Organisation (4. Ebene)

1. Ebene: Normale Abwehrmechanismen:




  • Humor

  • Vorwegnahme

  • Unterdrückung

  • Sublimierung



Definition: Sublimierung wird dann erreicht, wenn der Triebimpuls auf ein neues, nicht sexuelles Ziel und auf ein neues, nicht sexuelles Objekt abgelenkt werden kann
Bsp.: Ist berufliche Tätigkeit echte, d.h. gelungene Sublimierung oder eher Reaktionsbildung?
- sadistische Triebregungen: Chirurgen
- voyeuristische Tendenzen: Arzt (nackter Körper)
- exhibitionistische Impulse: Schauspieler

2. Ebene: Neurotische Abwehrmechanismen




  • Verdrängung

  • Regression

  • Reaktionsbildung

  • Wendung gegen die eigene Person

  • Isolierung

  • Ungeschehenmachen

  • Verkehrung ins Gegenteil

  • Verleugnung

  • Konversion

  • Projektion

  • Introjektion und Identifizierung

  • Intellektualisierung

  • Rationalisierung



Definition Verdrängung: Tätigkeit des ICHs, durch die die mit einem bestimmten Triebwunsch zusammenhängenden seelischen Inhalte (Vorstellungen, Gefühle, Ideen, Phantasien, …) in das Unbewusste zurückgestoßen oder vom Bewusstsein ferngehalten werden. Als Konsequenz ist im bewussten Erleben von diesen Inhalten nichts nachzuweisen, im subjektiven Erleben ist es so, als ob diese Inhalte nicht existieren.

Definition Regression: Ein psychischer Vorgang, der unter der Führung des ICHs stattfindet, in dessen Verlauf eine bereits erreichte Entwicklungsstufe (Triebregression)- wenn Regression auf Triebebene (Ichregression)- wenn das ICH in den Prozess miteinbezogen wird bzw. ÜBER-ICH) zugunsten einer früheren Entwicklungsebene aufgegeben wird, um damit die Entstehung von Angst zu vermeiden

zB Kind-Geschwisterchen:


phallische Triebwünsche machen Angst und werden aufgegeben  durch anale und orale Wünsche und Ziele ersetzt („Flascherl“, In-die-Hose-machen)

Definition Reaktionsbildung: Sehr spezifische oder generalisierte Ichleistung; durch die bei einem vorhandenen Gegensatzpaar eine Haltung zugunsten der anderen derart überbetont wird, dass von der anderen, anstößigen, im Bewusstsein nichts mehr übrig zu bleiben scheint.

Im Bewusstsein findet sich nur mehr der (betonte) Gegensatz, zu dem nun unbewussten, abgewehrten ursprünglichen Wunsch.
Häufige Gegensatzpaare:

Liebe (übertriebene Zärtlichkeit) - Hass

Grausamkeit – Sanftmut

Lust am Schmutz – Sauberkeit (bspw. Waschzwang)



Definition Wendung gegen die eigene Person: Vorgang, durch welchen ein Triebobjekt durch die eigene Person ersetzt wird
Bsp: Autoaggressives Verhalten (Zorn gegen jemand anderen)


Definition Isolierung: Verwendung in zweierlei Bedeutung:
- Beschreibung eines Abwehrprozesses
(der dazu führt, dass Vorstellungen und Erlebnisweisen von den dazugehörigen Affekten getrennt, isoliert werden. Die Vorstellung kann dann meist problemlos ins Bewusstsein treten, die ihr anhaftenden Affekte bleiben entweder unbewusst oder treten in einem ganz anderen Zusammenhang (unverstehbar) hervor
- Allgemeinere Form der Isolierung

Sie bezieht sich auf seelische ZH, die durch diesen Mechanismus auseinandergebrochen und damit unverständlich gemacht werden sollen.

Durch diese Aufhebung der Assoziationsverbindungen verlieren ansonsten anstößige seelische Elemente in ihrer Isolierung ihre angsterregende Bedeutung und sind so auch ohne weiteres bewusstseinsfähig.


Definition Ungeschehenmachen: Psychische Aktion, durch die das Subjekt sich glauben machen will, dass bestimmte Gedanken, Worte, Gesten oder andere bereits stattgefundene Handlungen nicht geschehen wären. ‚Dazu benutzt es Gedanken, Worte, Gesten oder Handlungen mit gerade entgegengesetzter Bedeutung
zB Zwangsneurose - Waschzwang
(wie durch rituelle Waschungen Ungeschehenmachen aller Sünden)


Definition Verkehrung ins Gegenteil: Vorrang, durch den das Ziel eines Triebes beim Übergang der Aktivität zur Passivität sich in sein Gegenteil verwandelt (besonders deutlich bei Sadismus - Masochismus und Voyeurismus - Exhibitionismus)


Definition Verleugnung: Tendenz, ein unangenehmes oder unerwünschtes Stück der äußeren Realität in seiner traumatischen Bedeutung mithilfe einer wunscherfüllenden Phantasie oder durch äußeres Verhalten zu unterdrücken

 besonders in der Kindheit mit zunehmender Fähigkeit der Realitätsprüfung werden Ansätze zur Verleugnung immer seltener bei gesundem Erwachsenen:

Verleugnung nur in Tagträumen
-problematisch bei Verleugnung von zB körperlichen Krankheits-Zeichen

Definition: Durch Konversion finden konflikthafte unbewusste Phantasien in körperlichen Veränderungen (/somatische, motorische oder sensible Symptome) szenisch und symbolisch ihren Ausdruck
zB hysterische Anfälle
Blindheit, Taubheit, …
Lähmungen


Definition Projektion: Psychischer Abwehrvorgang, in dessen Verlauf Gefühle, Wünsche oder sogar „innere Objekte“, die Anstoß erregten, aus dem subjektiven psychischen Raum eines Menschen und damit auch aus seinem Bewusstsein ausgeschlossen werden, um dann einer anderen Person oder einem nichtbelebten Objekt der Außenwelt zugeschrieben zu werden.


  • bei schweren psych. Störungen (Wahnbildungen)

  • soziale Vorurteile und Diskriminierung (Zuschreibung der verpönten Gefühle auf andere


Definition: Introjektion & Identifizierung: Tendenz des Ichs, die häufig als Abwehr eingesetzt wird, wodurch Objekte oder deren Eigenschaften von „außen“ ins „Innere“ des betreffenden Menschen gelangen (Introjektion), um dort zu Eigenschaften dieser Menschen umgewandelt zu werden (Identifizierung)
zB Identifizierung mit dem Angreifer (Aggressor)
(Identifizierung mit dem gefährlichen Objekt in der Außenwelt)


Definition Intellektualisierung: Ich verwandle meine gelebte Erfahrung in eine gedachte


Definition Rationalisierung: Ich offeriere mögliche Erklärungen statt der eigentlichen

3. Ebene: Borderline Abwehrmechanismen

Alle Borderline- AW-Mechanismen gibt’s auch bei Psychosen

= „primitive Abwehrmechanismen“


Sie beruhen auf Spaltung statt Verdrängung.

Spaltung schützt das ICH vor Konflikten, indem es aktiv widersprüchliche Erfahrungen des Selbst und wichtiger anderer Personen auseinanderhält.

Begleitmechanismen:


  • primitive Identifizierung

  • primitive Verleugnung und Entwertung

  • omnipotente Kontrolle


Definition Spaltung: Psychischer Vorgang, der auch zu Abwehrzwecken Verwendung findet, durch den Selbst- und Objektrepräsentanzen, die durch spezifische Affektdispositionen miteinander verknüpft sind von anderen Selbst- und Objektrepräsentanzen, die durch konträre Affektdispositionen miteinander verbunden sind, getrennt gehalten werden
Die daraus resultierende Fremd- und Selbstsicht erinnert stark an Schwarz-Weiß-Malerei:

- Beziehungen - entweder nur positiv oder nur negativ Gefühlsqualitäten


- Menschen entweder gut oder böse und werden oft nur in einzelnen Aspekten wahrgenommen (Teilobjektbeziehungen)

Der Spaltung wird oft eine ebenso große Bedeutung zugemessen wie der Verdrängung.


Wird die Spaltung als zentraler Organisationskern von Abwehrstrukturen nicht durch die Fähigkeit zur Verdrängung ersetzt, hat dies eine schwere Persönlichkeitsstörung zur Folge: BORDERLINE-PS:

Spaltung allein genügt zu Abwehrzwecken meist nicht.


Als zusätzliche Hilfsmaßnahmen, die die Spaltung absichern helfen sollen, wurden folgende Mechanismen beschrieben:


  • primitive Idealisierung

  • projektive Identifizierung / introjektive Identifizierung

  • omnipotente Kontrolle

  • Entwertung

4 Ebene: Psychotische Abwehrmechanismen

Versuch von psychotischen Patienten, sich vor dem psychologischen Tod zu schützen: die psychotische Angst
Die Fähigkeit, effektiv zwischen der sozialen Welt menschlicher Objekte und der leblosen Welt zu unterscheiden, geht verloren.

Es kann nicht mehr von ICH sprechen, alles wird als ES erlebt




  • Entlebung

  • Belebung

  • Zersplitterung



Tiefenpsychologie/ Fr. Prof. Marianne Springer-Kremser: Affekte und psych. Konflikt



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